Ist Homer auch übersetzbar? Theoretische Überlegungen zur Übersetzbarkeit literarischer Werke während der Goethezeit
Bosco, Lorella
2021-01-01
Abstract
Voß’ Übersetzungen der homerischen Epen stießen im Allgemeinen auf Begeisterung, riefen jedoch auch vereinzelt Kritik hervor. Allerdings muss man in diesem Fall differenzieren. Während die erste Odyssee-Übersetzung kaum umstritten war und übereinstimmende Anerkennung aus ganz unterschiedlichen literarischen Richtungen (Bürger, Stolberg, Klopstock, Mendelssohn, Sulzer) fand, löste die Gesamtausgabe von Voß’ Homer-Übersetzungen (1793) Befremden und Ratlosigkeit aus. Folgende Ausführungen werden deshalb – anhand von Wolfs und Schlegels Aufsätzen zu Fragen der Homer-Übersetzung – die theoretischen Fragestellungen (Treue gegenüber dem Originaltext, dem Verhältnis zwischen Ausgangs- und Zielsprache, der Darstellbarkeit der Fremdheit des Ausgangstexts in der deutschen Sprache, der Normativität klassischer Literatur) kontextualisieren, die mit Voß-Übersetzungen verbunden sind und als paradigmatische Leitfragen auch des frühromantischen Umgangs mit der Übersetzungstätigkeit gelten können. Untersucht soll hiermit insbesondere das Spannungsfeld zwischen einer philologisch-normativen Auffassung antiker Werke als Ideal und deren auf Textkritik und Hermeneutik basierenden Auslegung, zwischen der „ästhetischen Werkeinheit“ und der „historisch-philologischen Notwendigkeit“ (Espagne 2010: 152). Diese Fragestellung lassen sich hier an Friedrich August Wolfs Aufsatz Ist Homer auch übersetzbar? und an August Wilhelm Schlegels Rezension zu Voß’ Ausgabe von 1793 paradigmatisch erörtern.File in questo prodotto:
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