Ausgehend von einleitenden Überlegungen zu autobiographischen Paratexten geht der Beitrag auf die Praxis der Betitelung und Titelvergabe bei autobiographischen Texten der historischen Avantgarde ein, mit einem besonderen Blick auf Richard Huelsenbecks zahlreiche Bilanzen des Dadaismus, Hugo Balls Flucht aus der Zeitund Emmy Hennings’ Ruf und Echo. Die erwähnten Autor:innen sind gerade im Hinblick auf die Verschränkung von Individuellem und Exemplarischem besonders auf-schlussreich, weil sie einerseits die Erinnerungstaktiken dadaistischer Mitstreiter: innen (man denke etwa an Richard Huelsenbeck) aufgreifen, sie andererseits überwinden und ihre Selbsterlebensbeschreibungen in eine höhere Einheit zu überführen versuchen (siehe Ball und Hennings) – ohne damit jedoch eine in jeder Hinsicht schlüssige Erzählung der sich zugetragenen Lebensbegebenheiten liefern zu können. Das Ringen mit dem autobiographischen Material, mit dessen nicht zu tilgenden Lücken, blinden Flecken, Ungereimtheiten, schlägt sich nicht zuletzt in der Betitelungspraxis nieder.

Autobiographietitel der historischen Avantgarde am Beispiel des Dadaismus (Huelsenbeck, Ball, Hennings)

Lorella BOSCO
2026-01-01

Abstract

Ausgehend von einleitenden Überlegungen zu autobiographischen Paratexten geht der Beitrag auf die Praxis der Betitelung und Titelvergabe bei autobiographischen Texten der historischen Avantgarde ein, mit einem besonderen Blick auf Richard Huelsenbecks zahlreiche Bilanzen des Dadaismus, Hugo Balls Flucht aus der Zeitund Emmy Hennings’ Ruf und Echo. Die erwähnten Autor:innen sind gerade im Hinblick auf die Verschränkung von Individuellem und Exemplarischem besonders auf-schlussreich, weil sie einerseits die Erinnerungstaktiken dadaistischer Mitstreiter: innen (man denke etwa an Richard Huelsenbeck) aufgreifen, sie andererseits überwinden und ihre Selbsterlebensbeschreibungen in eine höhere Einheit zu überführen versuchen (siehe Ball und Hennings) – ohne damit jedoch eine in jeder Hinsicht schlüssige Erzählung der sich zugetragenen Lebensbegebenheiten liefern zu können. Das Ringen mit dem autobiographischen Material, mit dessen nicht zu tilgenden Lücken, blinden Flecken, Ungereimtheiten, schlägt sich nicht zuletzt in der Betitelungspraxis nieder.
2026
978-3-11-170893-5
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Utilizza questo identificativo per citare o creare un link a questo documento: https://hdl.handle.net/11586/592061
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